Dialogkonzepte

Das Netzwerk „Dresden für Alle“ bemüht sich seit seiner Gründung im Winter 2014/15 um die Stärkung von Weltoffenheit, Toleranz und Demokratie in der Stadt und der Region Dresden. Dazu gehört auch, sich um Kommunikation mit denjenigen zu bemühen, die aus unterschiedlichen Gründen Skepsis gegenüber der Aufnahme von Geflüchteten in unserem Land zum Ausdruck bringen. Ein solcher Diskurs kann jedoch nach unserer Überzeugung nur auf der Basis unserer Verfassung und der in ihr garantierten Grundrechte stattfinden. Wer Hass und Gewalt gegen Menschen richtet, wer gegen Geflüchtete, gegen Freiwillige, gegen Journalisten oder gegen Politiker hetzt oder solche Hetze verharmlost, kann nicht Partner in einem Dialog sein, dem kann und darf kein Forum geboten werden.

Um dieses Ziel von Kommunikation zu erreichen, sollten verschiedene Ansätze und Methoden in Pilotprojekten ausprobiert werden. Eines dieser vom Netzwerkrat von „Dresden für Alle“ unterstützten Projekte war die Anwendung der von Charles Rojzman entwickelten „Thérapie sociale“ in einigen Dresdner Stadtteilen. Das Projekt lief von Dezember 2015 bis Februar 2016 und ist somit beendet. Auch wenn die projektinterne Auswertung bisher noch nicht vorliegt, hat der Netzwerkrat von „Dresden für Alle“ die Entscheidung getroffen, das Pilotprojekt nicht weiter zu unterstützen oder zu tragen, da sich dessen Umsetzung in einigen Stadtteilen als sehr problematisch erwiesen hat.

Das Netzwerk „Dresden für Alle“ steht für eine Kommunikation, die eng mit demokratischem und gesellschaftlichem Handeln verbunden ist. Die Initiativen in unserem Netzwerk, ob Willkommensbündnisse auf Stadtteilebene, ob stadtweite Vereine, Verbände und Gruppen in unterschiedlichen Sphären sind gesellschaftlich engagiert und sind offen für die Mitarbeit und das Engagement neuer Mitglieder, ob als Einzelpersonen oder als Gruppen. In der gemeinsamen Tätigkeit mit und für Mitmenschen in der Stadt ist immer auch Raum für das persönliche Gespräch, für Kennenlernen, für das Austauschen über Freuden und Sorgen, genauso aber auch für respektvolle Diskussionen und Debatten über die Stadt und die Gesellschaft. Immer wieder gibt es bei unseren Netzwerkmitgliedern neben regelmäßigen Unternehmungen auch festliche Aktivitäten, die ebenfalls offen für alle Bürger sind. Schließlich bieten viele Initiativen immer wieder offene Informations- und Diskussionsveranstaltungen zu unterschiedlichsten gesellschaftlichen und politischen Themen an. Diese Bemühungen werden wir zu verstärken suchen – viele davon findet Ihr in unserem Veranstaltungskalender hier auf Facebook: facebook.com/dresdenfueralle/events .

Dresden für Alles Foto.

8 Kommentare

  1. Ute Plass

    „Eines dieser vom Netzwerkrat von „Dresden für Alle“ unterstützten Projekte war die Anwendung der von Charles Rojzman entwickelten „Thérapie sociale“ in einigen Dresdner Stadtteilen. Das Projekt lief von Dezember 2015 bis Februar 2016 und ist somit beendet. Auch wenn die projektinterne Auswertung bisher noch nicht vorliegt, hat der Netzwerkrat von „Dresden für Alle“ die Entscheidung getroffen, das Pilotprojekt nicht weiter zu unterstützen oder zu tragen, da sich dessen Umsetzung in einigen Stadtteilen als sehr problematisch erwiesen hat.“

    Was genau hat sich als „sehr problematisch“ erwiesen?

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    1. Dietrich Herrmann

      Liebe Frau Plass,
      es ist zu Vorfällen gekommen, die wir nicht billigen konnten. Neonazis kamen nicht nur zu Wort bei diesem Projekt, sondern waren zeitweise sogar in die Vorbereitung eingebunden. Dies konnten und wollten wir nicht länger tragen. Zum Dialog gehört Klarheit hinsichtlich grundlegender Werte, wie sie etwa in unserem Grundgesetz festgehalten sind. Die Abgrenzung zu eindeutig menschenfeindlichen Positionen war nach unserer Auffassung nicht klar genug.

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      1. Maria Klampaeckel

        Bin jetzt gerade via People in Dresden und auf der Suche nach weiteren Informationen zu Charles Rojzman auch auf diese Seite gelangt und möchte nur nachfragen: Dann wäre in Dresden die von Rojzman entwickelte und wenn ich richtig verstanden habe ja auch unter nicht unkomplizierten Befingungen erfolgreich praktizierte Methode gescheitert?! Sieht Rojzman selbst das auch so?

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        1. steffen

          Gescheitert ist hier sicherlich der falsche Ausdruck. Die ausführliche Bewertung des von uns durchgeführten Projektes finden Sie hier auf der Präsentationsseite der Projektergebnisse und ich vermute, dass das die wichtigsten Fragen beantworten wird: http://dresdenfueralle.de/das-netzwerk-dresden-fuer-alle/verein/foerderprojekte/01_projektergebnisse/

          Beste Grüße
          S.H.

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          1. Sylvia

            Mir gegenüber wurde auf die Erfolge von Herrn Rojzman in den französischen Banlieus und die von Frau Feyler in Tschetschenien verwiesen. Wenn ich mir die Situation in beiden Ländern anschaue, kam es jedoch zu einer Verschlechterung mit tödlichen Folgen für viele Menschen, so dass auch ich den Eindruck habe, das Konzept ist gescheitert. Wo konkret sind Erfolge in o.a. Ländern aufzuweisen?
            Auch ist das Asylrecht doch dazu da, dass Opfer von Tätern getrennt werden, indem sie in einem sicheren Land leben dürfen. Die therapie sociale andererseits baut darauf, Opfer und Täter zusammenzubringen, so dass erstere Verständnis für die Täter (Kindheitserlebnisse) entwickeln. Konterkariert das nicht das Asylrecht, für dessen Akzeptanz „Dresden für alle“ ja werben will? In meinen Augen ist das eine Doppelbindung. Kann mich mal jemand aufklären?

      2. Sylvia

        „Ein solcher Diskurs kann jedoch nach unserer Überzeugung nur auf der Basis unserer Verfassung und der in ihr garantierten Grundrechte stattfinden.“ Das habe ich von Frau Feyler aber ganz anders in Erinnerung! Genau diesen Anspruch habe ich ihr gegenüber geäußert, woraufhin sie mich ziemlich rüde anfuhr, dass wir als Christen schließlich verpflichtet seien, Feindesliebe zu üben und sie hätte sogar schon mit Mördern in Tschetschenien gearbeitet. Daraufhin fragte ich sie und Herrn Rojzman, wie man denn nun mit Mördern arbeitet, schließlich gab es in meinem Viertel 2013 einen extremistisch motivierten Mord. Herr Rojzman antwortete mir, dass seine Bücher dazu noch nicht übersetzt seien, Frau F. blieb mir auch die Antwort schuldig, schickte mich aber zur Beichte, weil ich es nicht verhindert habe. Beichte macht aber nur Sinn bei Umkehr, wie aber soll jmd. umkehren, wenn er keine Antwort darauf bekommt, wie? Auch halte ich das für Gotteslästerung, denn eine Beichte würde ja voraussetzten, dass ich so allmächtig wäre, die Tat überhaupt zu verhindern, was Sozialarbeiter und VS im Vorfeld nicht geschafft haben. Sich gegenseitig 3 Erlebnisse aus der Kindheit zu erzählen, hilft offenbar ja nicht.Im Widerspruch zu ihrer selbst genannten Grundvoraussetzung für Dialog steht auch das taz-Interview mit Frau F. vom 1.11.2009 http://www.taz.de/!5153302/, in der der Mord an Marwa el Sherbini mit der nicht vorhandene Härte deutscher Männer und der damit verbundenen Enttäuschug männl. Migranten erklärt wird sowie Sicherheitsvorkehrungen zw. Täter und Zeugen als störend bezeichnet werden. Hier hätte ich gern eine Positionierung des Bündnisses: Was wiegt schwerer, Feindesliebe oder das Recht auf körperliche Unversehrtheit? Und warum muss man Flüchtlingen deutsche Werte beibringen (Zitat Frau F. am 1.5.2016 beim Bändertanz auf dem Frühlingsmarkt), reichen nicht auch Demokratie und Rechtsstaatlichkeit?

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  2. Anna

    Schade, in meinen Augen war genau das der Ansatz mit “ Neonazis“ in einen Prozess zu kommen und auf diesem Wege ihnen eine andere Ausdrucksmöglichkeit zu geben, vor allem einen Dialog möglich zu machen….leider erlebe ich in letzter Zeit zu oft, das von linker Seite der Dialog abgebrochen wird,ohne gute Erklärung!

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    1. Sylvia

      Nach meiner Erfahrung gibt es 3 Gruppen:
      1.) Solche, die wirklich mangels sozialer Kontakte Angst vor Fremden haben. („der dumme, eingemauerte Ossi“)
      2.) Macchiavellisten, die bewusst ein demokratiefeindliches Menschenbild zum eigenen Vorteil pflegen (was u.a. daran zu erkennen ist, dass sie mit der Menschengruppe Geschäftsbeziehungen pflegen, gegen die sie andererseits demonstrieren).
      3.) Solche, die tatsächlich negative Erfahrungen gemacht haben, ohne daraus demokratiefeindliche Einstellungen zu entwickeln.
      Der Fehler der Linken besteht m.E. darin, dass 3) die Wahrnehmung abgesprochen oder mit 2) in einen Topf geworfen wird (da es die eigentlich gar nicht geben darf) und 2) wiederum mit 1) verwechselt wird. Schade, denn das führt zu Resignation und Burn Out bei 3).

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