Dresden für Alle unterstützt die Veranstaltung: „Normalität jüdischen Lebens!?: Fachtag zu jüdischer Regionalgeschichte in Ostsachsen“

Im Rahmen des Festjahres „321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ organisierte das Bündnis gegen Antisemitismus in Dresden und Ostsachsen in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung Sachsen den Fachtag „Normalität jüdischen Lebens!?: Fachtag zu jüdischer Regionalgeschichte in Ostsachsen“. Der Fachtag richtete sich vorrangig an (angehende und tätige) Pädagog*innen und verfolgte das Ziel, den folgenden Fragen nachzugehen:

  • Warum braucht es eine Auseinandersetzung mit jüdischer Geschichte?

  • Welche analogen und digitalen Quellen eignen sich für die Bearbeitung der jüdischen Geschichte Ostsachsens?

  • Und welche Projekte können im Rahmen einer pädagogischen Tätigkeit besucht und umgesetzt werden?

Obwohl die Veranstaltung aufgrund der rasant steigenden Corona-Infektionszahlen kurzfristig in den digitalen Raum verlegt wurde, kamen inkl. der Referent*innen und Organisator*innen 31 Personen zum Fachtag zusammen.

Den Auftakt der Veranstaltung bildete ein Vortrag der Historikerin Gunda Ulbricht vom HATiKVA e.V.. Unter dem Titel „Wozu jüdische Geschichte?“ stellte dieser zunächst verschiedene Zugänge zur jüdischen Geschichte dar. So könne jüdischer Geschichte z.B. als „Minderheitengeschichte“ oder als „Fallstudie“ für allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen nachgegangen werden. Ebenso könne sie aber auch als Beitrag zur „Gedenkkultur“ und „Gegenwartsbewältigung“ betrieben werden. Das Gemeinsame an den Zugängen: Immer bewege sich die Auseinandersetzung mit jüdischer Geschichte in einem Spannungsfeld zwischen „Integration“ und „Vereinnahmung“, weswegen besonders auf die folgenden Aspekte geachtet werden müsse:

  1. Forschungs- und Bildungsarbeit zu jüdischer Geschichte sollte „vorschnelle Verallgemeinerungen vermeiden“ bzw. eine „Balance zwischen Besonderem und Allgemeinem“ herstellen. Ein Anfang dazu wäre bereits gemacht, wenn sie Ihren Gegenstand reflektieren und sich fragen würde, wer warum als Protagonist*in jüdischer Geschichte behandelt werde.

  2. Die Auseinandersetzung mit jüdischer Geschichte sollte darauf zielen, „wirkliche und geistige Räume“ jüdischer Vergangenheit und Gegenwart zurückzugewinnen. Da die Forschung zur jüdischen Geschichte noch immer vorrangig aus Perspektive der Mehrheitsgesellschaft und unter Marginalisierung jüdischer Perspektiven betrieben werde, komme diesem Punkt ein besonderes Gewicht zu.

  3. Um den bereits genannten Punkten gerecht zu werden, müsse Forschungs- und Bildungsarbeit zur jüdischen Geschichte schließlich auf ihre Verbindung achtgeben und die jeweiligen Entwicklungen in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Publizistik aufmerksam verfolgen und in ihre Arbeit einbeziehen.

Auf den Vortrag von Gunda Ulbricht folgte die Workshopphase des Fachtages. In dieser hatten die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, einen der beiden regionalspezifischen Workshops zu besuchen. Während sich der Workshop des AKuBiZ e.V. dem Thema „Digitale Hilfsmittel zur Vermittlung jüdischer Geschichte im Landkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge“ widmete, behandelte der Workshop der Netzwerkstatt der Hillerschen Villa gGmbH das Thema „Jüdische Geschichte im Dreiländereck – digital und vor Ort“.

Der Aufbau beider Workshops war eng aufeinander abgestimmt. In einem ersten Schritt wurden relevante Projekte des AKuBiZ e.V. und der Netzwerkstatt vorgestellt sowie die Wege zu ihrer Umsetzung erläutert. Darauf aufbauend hatten die Teilnehmer*innen in einem zweiten Schritt die Möglichkeit, einen tieferen Einblick in die Angebote zu erlangen und gemeinsam zu diskutieren, ob die Projekte für eine pädagogische Tätigkeit geeignet sind bzw. welche Erweiterungen oder Veränderungen es dafür benötigen würde. Bei den vorgestellten Projekten des AKuBiZ e.V. handelte es sich um die Website gedenkplaetze.info – eine digitale Karte zur Dokumentation von Orten des Nationalsozialismus und der Biografien von Verfolgten – sowie um einen derzeit in der Umsetzung befindlichen Audiowalk durch Sebnitz, der aus Perspektive der als Jüdin verfolgten Frieda Hänsel Einblicke in die Lebensrealität im Nationalsozialismus gibt. Im Mittelpunkt des Workshops der Netzwerkstatt standen wiederum die „Digitale Karte zum jüdischen Leben in Zittau und Liberec (CZ)“ sowie ein virtueller Rundgang über den jüdischen Friedhof Zittau, der im Rahmen eines internationalen Bildungsprojektes zur Erschließung des jüdischen Erbes von Zittau mit dem Namen „MAZEWA“ entstand.

In einer kurzen Abschlussrunde hatten die Workshopleiter*innen schlussendlich die Möglichkeit, zentrale Erkenntnisse des Fachtages zusammenzufassen. Das Ergebnis: Vor allem für die digitalen Angebote wären eine Erweiterung hin zu mehr Interaktions- und Partizipationsmöglichkeiten sowie Konzepte zu ihrer Nutzung in der analogen Arbeit erstrebenswert. Darüber hinaus müsse in der Bildungsarbeit immer eine genaue Analyse der angestrebten Zielgruppe betrieben werden sowie eine darauf angepasste Aufarbeitung und Vermittlung der Inhalte.

Dresden für Alle unterstützte das Projekt finanziell. Von den Geldern wurden Druckkosten und Honorarkosten für Öffentlichkeitsarbeit finanziert.

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